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Warum der BP-Boykott der Umwelt schadet

Geschrieben am 26.06.2010 von Hendrik

Deepwater HorizonDer Aufruf zum Boykott schadet nicht nur Tankstellenbetreibern, sondern auch der Lösung der Ölpest selber. Als Kunde von BP, Aral und Castrol liegt unsere Aufgabe in der Unterstützung der Umweltorganisationen und in der Investition in “Öl-freie”-Technologien.

Nach wie vor ist unklar, wie viel Barrel Öl täglich tatsächlich aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko strömen. Sowohl öffentliche Zahlen, als auch Schätzungen schwanken derart enorm, dass nicht einmal ein Durchschnittswert dieser Zahlen sinnvoll für eine objektive Betrachtung ist. Genau so verhält es sich mit den möglichen Auswirkungen dieser Katastrophe. Sicher ist, dass die Schäden der Ölpest für Wirtschaft und Umwelt Ausmaße angenommen hat, welche die Möglichkeiten unserer Generation weit übersteigen. Zweifelsohne können wir auch von einer der nachhaltigsten Entwicklungen in diesem Jahrhundert sprechen und auch so zynisch es klingen mag, es könnte die wohl größte Wende im Denken der Menschheit sein, seit dem wirklichen Anfang dieser Entwicklung: der Industriellen Revolution.

Seit Wochen fordern nun Politiker, Mitbürger und Konkurrenzfirmen den Boykott der BP. Auf den ersten und sogar auf den zweiten Blick eine hervorragende Idee. Derart drastische Maßnahmen der Kunden zwingen sogar große Konzerne in die Knie, was die Geschichte schließlich beweist. Ein Boykott kommt einer legitimen Erpressung gleich. Doch eine Erpressung nur um der Erpressung willen mag zwar in virtuellen Welten lustig sein, erscheint aber in der Realität ziemlich sinnfrei. Und zu was will man denn BP zwingen? Zu “Entschädigungszahlen (für die Opfer?)”. Das wird bereits gemacht, die Verwaltung dieser Gelder ist allerdings genauso durchsichtig, wie die Wasseroberfläche im Golf von Mexiko. Zu einer Umstellung der Produktion? Verlangen Sie auch von einem Holzkonzern, dass er von heute auf morgen Eisen verarbeiten soll? Wie stellen Sie sich das vor?

Ein Boykott des britischen Ölkonzerns BP trifft in erster Linie die Pachteigentümer der Tankstellen. Zumeist Kleinunternehmer, welche mit dem Einkommen der Tankstelle ihre Familien ernähren wollen. Konsequenterweise trifft ein Boykott auch die Möglichkeiten von BP in der Causa “Deepwater Horizon” zu intervenieren. Je schlechter der Konzern dasteht, umso mehr muss er sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren: Öl fördern und verkaufen.

Sollte die BP-Gruppe an dieser Katastrophe zu Grunde gehen, entsteht ein Öl-Konzern-Vakuum. Dieses werden neue, wie alte Konzerne nutzen um sich selber auszubauen. So verteilen wir die Öl-Macht auf noch weniger Öl-Konzerne. Diese Ölpest birgt derart viele Chancen, dass Regierungen sie lieber schnell bereinigen sollten. Das Argument: Endlich kann man nun Ölkonzerne, wie BP an Regierungen binden zieht aber dennoch nicht mehr. Spätestens seit der “kleinen” Ölpest in Ägypten ist klar: Es hat rein garnichts damit zu tun, WER für das Öl verantwortlich ist, sondern DASS wer verantwortlich ist. Nichts desto trotz wäre die US-Amerikanische Regierung zu diesem Zeitpunkt in der Lage BP wirklich zu etwas zu zwingen, nämlich zur Offenlegung von Plänen und Blueprints zu rentablen alternativen Energie- und Kraftstoffen.

Wir müssen nicht Weg von BP (zu denen auch ARAL und Castrol gehört!), sondern Weg vom Öl. Ein Boykott von BP schadet sowohl der Ölkrise, als auch – für die Ölkrise – Unschuldigen. Ein genereller Öl-Boykott, mit dem Verzicht auf ALLES, was aus Öl gewonnen wird wäre die Richtige Antwort auf die Ölpest im Golf von Mexiko. Doch wer verzichten schon gern auf sein Auto, mit dem er zur Arbeit muss, oder die Sandspielsachen der Kinder, auf Feuerzeuge oder seine PC-Tastatur? Natürlich wäre ein Leben ohne Öl möglich, aber wohl noch nicht vorstellbar.

Statt dem Boykott von BP wäre seitens der Politik ein Aufruf angebracht Umweltorganisationen zu unterstützen und in “Öl-freie” Entwicklungen zu investieren. Und wenn man wirklich helfen möchte, bietet sich nicht nur eine Spende an Greenpeace und Co. an, sondern auch eine Reise in die Küstengebiete im Golf von Mexiko.

(von Hendrik Hirsch)

Hinweis zur Gleichstellung von Frau und Mann: Genderspezifische Bezeichnungen gelten sowohl für Frauen, als auch für Männer und wurden nur aus Gründen der Lesbarkeit weggelassen.