Ich bin kein Christ, glaube nicht an Gott und halte die Entstehung des Universums durch den Zufall für wahrscheinlich. Kausalität existiert, aber erklärt nicht jede Phase unserer Existenz. Und dennoch färbe ich zu Ostern mit meiner Familie Eier, esse Spinat am “Weinenden Donnerstag” und zitiere aus der Bibel. Nicht immer gelingt mir eine empirische Sichtweise der Dinge. Oft ertappe ich mich selber dabei, wie ich ehrfürchtig zum Himmel blicke und an alte Götter denke, Unerklärliches mit Aberglaube verbinde und Kaugummi kaue, um meine Denkleistung zu erhöhen.
Ich glaube an die historische Figur “Jesus”, den Märthyrer, den Freiheitskämpfer, den Kommunisten. Die Lehre Jesu, seine Kritik an der Kirche und seine idealistische Weltanschauung war damals, und ist noch heute, weit vor der Zeit, in der das alles fruchten wird. Ja, ich glaube fest an eine Zukunft in der Nächstenliebe und nicht Gesetze die Menschen im Zaum hält. Und ich glaube an eine Zeit, in der Glaube ohne Religionskrieg gelebt werden kann.
Dieser Karfreitag ist mein Traumtag. Der Tag, an dem sich für den Augenblick eines Tagtraumes die Bergpredigt Jesu erfüllt. Der Tag, an dem Menschen die Freiheit des Mitmenschen respektieren. Der Tag, an dem die Liebe zum pantheistischen Prinzip erhoben wird.
Täglich schlägt sich die Menschheit mit Problemen herum, die sie sich selbst gemacht hat.
Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Körper, wie ihr euch kleiden sollt. Ist das Leben nicht mehr als die Speise, und der Körper mehr als die Kleidung? 26. Blickt auf die Vögel des Himmels, dass sie weder sähen noch ernten noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater nährt sie. Seid ihr nicht viel wertvoller als sie? 27. Aber wer von euch, die ihr euch sorgt, vermag seine Lebensdauer auch nur um eine Elle zu verlängern? 28. Und was sorgt ihr euch um Bekleidung? Beobachtet die Blumen des Feldes, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und sie spinnen auch nicht.
(Mt 6, 25-28)
Hier der Beweis, dass auch ich aus der Bibel zitiere – weil ich es kann.
Die Lehren Jesu, sind wie die Lehren Gandhis in der Quintessenz menschenliebende Lehren, denen ich nur zu gerne folge und versuche zu folgen. Die “Verwirrung” in Richtung Gott haben andere, wie Buddha, durch andere Kräfte ersetzt. Schlussendlich kommt es aufs Gleiche raus: Lebt man nach einer dieser Einstellungen, muss man sich damit zufrieden geben die Wange hinzuhalten, den Dieb als Bruder zu schätzen und sich Selber (auf)zugeben, im Gegenzug sollte man, ohne es zu erwarten, ebendiese Nächstenliebe spüren können. Lasst uns davon träumen, dass – nur für eine Minute (eine Trauerminute für Jesus) – alle Menschen nach dem Gutmenschenprinzip handeln. Ich würde ihn lieben, diesen Jesus, der diese Vision erschafft. Ich würde ihm die Füße waschen und ihn, um seines Willen, verraten. Es wäre mein Jesus. Mein persönlicher Jesus.
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Nicht zu vergessen sei seine revolutionäre Einstellung zu Frauen. Jesu Verhalten zu Frauen war im patriarchalischen Judentum damals neu und ungewöhnlich. Viele seiner Heilungen galten sozial ausgegrenzten Prostituierten, Witwen oder Ausländerinnen. Geheilte Frauen folgten ihm von Beginn an nach (Mk 1,31), manche versorgten ihn und die Jünger (Lk 8,2f). Sie spielen laut NT für Jesus auch sonst eine wichtige Rolle: Eine Frau soll ihn vor seinem Tod gesalbt (Mk 14,3–9), die Gattin des Pilatus soll gegen seine Hinrichtung protestiert haben (Mt 27,19). Weibliche Nachfolger Jesu sollen nicht geflohen, sondern sein Sterben begleitet, seine Grablegung beobachtet (Mk 15,40f), sein leeres Grab entdeckt (Mk 16,1–8) und als erste seine Auferweckung bezeugt haben (Lk 24,10; Joh 20,18).