Wer kennt das nicht: Gerade illegal einen Film über Torrent geleecht (ihr Noobs :p) und dann ist da ein einziges File (also nur eine Datei) mit der Endung .iso! So einfach lässt sich diese(s) ISO aber nicht mit einem Media Player abspielen. Frechheit eigentlich!
Aber mal einen Schritt zurück…
1. Was ist das: ISO?
Ein ISO ist eine Datei, die die Informationen einer CD/DVD(/BD) enthält. Eine ISO ist ein Quasi-Abbild einer CD/DVD(/BD). Man könnte ein ISO also mit einer Fotografie einer Disk (das “D” in CD, DVD und BD) vergleichen. Ähnliches kennt man im Druck: Eine PDF-Datei entspricht einem ISO für ein Worddokument. Wie man für PDFs ein Programm zum “öffnen” braucht, braucht man auch für das “öffnen” (oder besser: entpacken) von ISOs ebenfalls ein Programm. Da die Technologie von Disk-Images (also CD-Abbildern) allerdings viel freier ist, als das PDF-Format, gibt es eine Vielzahl an Programmen, welche mit ISOs umgehen können. Der Vorteil an Disk-Images (von denen eine .iso-Datei ledigliche eine Standardkonforme [dem ISO-Standard entsprechende] Datei ist) liegt darin, dass exakte Kopien von CDs/DVDs(/BDs) sofort zum Brennen zur Verfügung stehen. Dieser Umstand fällt besonders dann auf, wenn man Filme rippen (auf dem PC speichern) und weiterverarbeiten will. Außerdem erfordert es viel weniger Zeit ein Disk-Image zu erstellen, als den Inhalt einer Disk auf anderen Wegen verfügbar zu machen (Umkodierung, Zusammenstellung, etc.)
2. Wie öffne ich nun eine solche Datei?
2.1 Das Entpacken von ISOs
Eine ISO-Datei ist, wie beschrieben, ein Disk-Abbild. Die Technologie, die benutzt wird ähnelt der von Archiven. Man fasst viele Dateien in einer zusammen. Deshalb haben Archivdateien (.rar, .zip) viele Gemeinsamkeiten mit Image-Dateien (.iso, .img). Und genau deshalb “öffnet” man ISOs indem man sie “entpackt”. Viele Archivprogramme, wie WinRAR, WinZIP oder 7zip unterstützen, unter anderen, auch .iso-Dateien. Archivprogramme hinterlassen gerne einen Eintrag im Kontext-Menü. Das ist das Menü, welches sich öffnet, sobald eine Datei mit einem Rechtsklick angesprochen wird. Ein klassischer Eintrag lautet hier: “Entpacken nach…” oder “Extract here”. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, schlussendlich liegt irgendwo ein Ordner mit der entpackten ISO. Nun ist die ISO-Datei im Grunde geöffnet. Nur bringt uns das wenig.
Es gibt übrigens auch Programme, die explizit für das Entpacken und Ändern für ISOs konzipiert sind, wie UltraISO und IsoBuster.
2.1.1 Entpacktes ISO? Toll! Und was mach ich jetzt damit?
Je nach dem, was das Image enthalten sollte, müssen wir ein bisschen etwas wissen. Eine Musik-CD ist beispielsweise einfach gestrickt. Im Großteil der Fälle enthält sie .cda Dateien – und zwar für jedes Lied eine. Und das sogar ziemlich unabhängig vom Kopierschutz. Allerdings rentiert es sich bei Musik-CDs sie zu brennen, da das Rippen in diesem Fall wesentlich leichter fällt, als das Umwandeln von .cda-Dateien in .mp3/.flac/etc. (Manche Programme, welche zum Rippen benutzt werden unterstützen allerdings auch ISOs). Doch das Rippen von CDs soll hier nicht Thema sein und würde den Rahmen des Tutorials um ganze Häuserblocks sprengen. ISOs finden wir nämlich zumeist beim Download von Filmen und bei Spielen (ob nun legal oder illegal sei in den Raum gestellt).
2.1.1.1 ISOs von Filmen
Die Ordnerstruktur von Filmen ist recht einfach gestrickt. Im wesentlichen findet man genau zwei Verzeichnisse:
/AUDIO_TS/
/VIDEO_TS/
Wobei nur die VIDEO_TS Daten (für uns) enthält. Der weitere Aufbau von DVDs basiert vor Allem auf .vob-Dateien und einer .ifo-Datei. Die .vob-Dateien enthalten den Film, die Werbung, die Piraterie-Abschreckung (*grinst frech*) usw. und die .ifo-Datei enthält, wie ihr Name vermiten lässt, Information. Und zwar die Informationen, welche Sektoren der DVD zum Film gehören, welche .vob wann abgespielt wird, welche Datei des Menü ist. Die .ifo-Datei ist die erste und wichtigste Datei, die von einem Media-Player geöffnet wird. Und hier haben wir auch schon unseren ersten Ansatz fertig gedacht! Die .ifo-Datei wird mit einem Media-player geöffnet und der Film startet! Inklusive Menü, Szenenauswahl und Extras!
2.1.1.2 ISOs von Spielen
Dazu gibts nicht viel zu sagen, außer: Verwendet die nächste Methode, die ich vorstelle. CDs und DVDs von Spielen sind meist nichtmal vom gleichen Publisher oder Entwickler gleich aufgebaut. Der Aufbau und die Struktur von Spiele-Disks sind ein wichtiger Bestandteil des Kopierschutzes und wird sehr oft vom Hersteller des Kopierschutzes vorgeschrieben. Außerdem ist der Großteil der Dateien nochmals extra gepackt und wird erst beim installieren entpackt. Hierzu werden meist aufwändigere Programme und Algoritmen verwendet, was das entpacken von Game-ISOs ziemlich unpraktisch macht.
2.1.1.3 Zusammenfassung
- .iso-Datei mit WinRAR (etc.) entpacken
- entpackten Ordner öffnen
Für Filme:
- .iso-Datei mit WinRAR (etc.) entpacken
- entpackten Ordner öffnen
- /VIDEO_TS/ öffnen
- .ifo mit Media Player* öffnen
*Der VLC-Media-Player nimmt einem sogar die Suche nach der .ifo ab, in dem man ein Verzeichnis oder ein Volume öffnet!
2.2 Das mounten von ISOs
Eine weitere Möglichkeit eine ISO-Datei anzusehen, ist das sogenannte “mounten”. Dabei wird das ISO in ein virtuelles Laufwerk geladen und so dem Computer simuliert, dass eine Disk in ein Laufwerk gelegt wurde. Zwar wurde weder eine Disk irgendwo eingelegt, noch existiert das Laufwerk wirklich, allerdings glaubt euch euer Computer das aufs Wort!
Ein sehr mächtiges Programm in dem Zusammenhang ist Daemon Tools, welches in der Lite-Version gratis von der Herstellerseite zu erhalten ist. Dieses Programm simuliert beliebig viele Laufwerke und kann auf Wunsch sogar gut bekannte Kopierschutzsoftware umgehen. Obwohl der Besitz von Software, welche einen Kopierschutz umgehen kann derzeit nicht verboten ist, wird vor allem Daemon Tools von vielen Urheberrechtsschützern schärstens verurteilt. Außerdem kann niemand nachweisen, den Brennschutz nicht umgangen zu haben. Virtuelle Laufwerke zu erzeugen ist bei weitem kein Strafdelikt und auch nicht in allen Fällen handelt es sich dabei um Handlungen, die auf illegale Verwendung abzielt. Daemon Tools wurde dennoch für den illegalen Gebrauch entwickelt. Alternativprogramme, wie Alkohol 120%, wurden zwar mit anderen Hintergedanken erschaffen, haben jedoch mittlerweile den Selben Ruf von Illegalität. Für die Klärung der Rechtslage empfehel ich einen Internetanwalt -ich kann allerdings nur zur Nutzung von legaler Software für legale Zwecke raten! Und sowohl Daemon Tools, als auch Alkohol 120% fallen in die Kategorie “legale Software”. In dubio pro reo!
Nach diesem Theorieschwenk eine Runde zum Praxisteil, erklärt anhand der Version 4.35 von Daemon Tools:
- Daemon Tools öffnen
- (Virtuelles Laufwerk hinzufügen)
- Image(s) hinzufügen
- Einbinden
Nun bindet euer PC das Image als Laufwerk ein und lädt die CD/DVD. Ist die Autostartfunktion ausgeschaltet, müsst ihr, wie bei echten CDs und DVDs die Disk über den Arbeitsplatz öffnen.
Bei Film-DVDs werdet ihr womöglich gefragt, mit welchem Player ihr die DVD wiedergeben wollt, bei Spiele-DVDs ob die install.exe/setup.exe geöffnet werden soll.
Solltet ihr öfter mit ISOs bzw. Images im Allgemeinen konfrontiert sein, empfiehlt sich auf jeden Fall virtuelle Laufwerke einzurichten. Für ein paar Filme ist wohl die Entpack-Methode praktikabler.
Ich bitte um Kritik, Anregung und Verbesserungsvorschläge!
Lg
Hendrik





